Mein Tisch

Die Zeit und das Alter beschäftigen mich aktuell. Mein Tagebucheintrag deutet drauf hin. Ich habe meine Tagebücher durch. Vieles war vergessen und kehrt beim Lesen zurück, anderes nicht. Und der Satz: Ich langeweile mich zu Tode hat seit bestimmten Einträgen durchaus eine neue Bedeutung. Denn ICH langweile MICH zu Tode sagte hier für mich aus, dass ICH die Ursache war um MICH zu langweilen. Wirklich, manche Einträge drehen sich nur um einen Schwarm, den ich kaum gesehen habe, aber offensichtlich konnte ich „die Hoffnung stirbt zuletzt“ sehr gut leben und sehr langlebig darin sein es zu thematisieren…:-)

Aber eigentlich geht es ja heute um meinen Tisch 🙂

Der Anfang

Diesem Tisch würde ich gern zum 20. Geburtstag gratulieren. Ich habe ihn 1999 zum Geburtstag geschenkt bekommen. Während ich arbeiten war, ist er heimlich in meine Wohnung geschafft worden. Es war eine Platte mit vier Beinen, die ich dann angeschraubt habe, alles aus einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Seitdem begleitet er mich durch meine Wohnungen. Wir haben in der Hermannstr. in Berlin-Neukölln gestartet. Damals als Schreibtisch, wo mein Monitor draufstand mit Desktop Computer. Ich hatte viel mit Informatikern zu tun und daher recht früh einen Computer, eine E-Mail Adresse und Internet (56 K Modem). Wenn ich also nach Hause kam, bin ich zu Dir, lieber Tisch und habe den Computer gestartet, hab die Schuhe ausgezogen und konnte mich dann langsam zu Dir setzen und schauen was es Neues gab.

Wie es weiter ging….

Dann kam der Umzug in eine andere Wohnung in Berlin-Neukölln. Hier warst Du wieder mein Schreibtsch und ich habe meinen Uniabschluß auf Dir, als Grundlage, gemacht.

Dann ging es nach Berlin-Schöneberg. Hier warst Du alles, standest in meinem Wohnzimmer und warst Esstisch, Schreibtisch, Ablage, alles. Du bist wunderbar leicht, so konnte ich Dich gut bewegen und so schieben wie ich es gebraucht habe.

Heute

Und dann ging es nach Frankfurt. Hier stehst Du in der Küche und dienst nun als Familientisch. Du hast die perfekte Größe. An Dir nehmen wir alle Mahlzeiten ein. Auf Dir stand die Wippe nach der Geburt meiner Tochter, an Dir hat sie Essen gelernt und Du hilfst dem anderen Tisch im Wohnzimmer aus, wenn der nicht genug Platz bietet.

Was Du immer wast und immer sein wirst, ist das Chaos. Denn Du bist mein, begleitest mich durch alle Phasen meines Erwachsenseins und ich kann einfach nicht ordentlich sein.

Und das Schöne ist, ich habe es akzeptiert. Ich werde niemals eine cleane hygge Wohnung haben, da ich es nicht bin. Und wie sagte Berlins ehemaliger Bürgermeister so schön: Und das ist auch gut so.

Keine Ahnung ob es gut so ist oder nicht, aber es ist so und ich bewerte es einfach nicht, sondern bin gespannt was wir noch alles zusammen erleben werden….

P.S. Mal wieder zu den Fotos: Es gibt keine guten Fotos des Tisches. Die ersten beiden sind von analogen Bilder abfotografiert, daher die sehr bemühte Qualität. Also, alles wie gewohnt 🙂

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