Irgendwo und doch nirgendwo

Die Kategorie Muddastadt habe ich erstellt, weil es um meine Stadt Berlin gehen soll. Ich habe Berlin vom 1. Moment an vermisst als ich ging. Frankfurt war ein mieser Ersatz für Berlin. Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist es immer noch ein mieser Ersatz?

Meine Eltern sind als Gastarbeiter gekommen. Sie waren nie wirklich zu Hause in diesem Land. Aber ich war in Berlin zu Hause. Die Stadt, die nicht gefordert hat sich zu einer Nationalität zu bekennen, sondern einfach Berlinerin zu sein, d.h. ich konnte all das sein, was ich auch bin, weder Deutsch noch Kroatisch zu 100%, sondern irgendwie alles ein bisschen.

Ich liebe an Berlin die Freiheit des Denkens, Lebens und Fühlens. Seit ich in Frankfurt bin, denke ich viel an die Unterschiede. Frankfurt hat mehr Geld. die Menschen dort sind wirtschaftlich erfolgreicher. Manchmal frage ich mich, ob eine Stadt auch so etwas wie ein eigenes Charma hat und es auf seine Bewohner übertragt? Hört sich alles attraktiv an. Für mich nicht. Was Berlin hat und Frankfurt nicht ist die Freiheit des Denkens, Fühlens und auch mal über Regeln nachzudenken, sie in Frage zu stellen. Ich liebe es in Berlin Leute zu treffen, die andere Meinungen haben, die Fragen stellen, sich selbst reflektieren. Ja, das mag sie wirtschaftlich nicht erfolgreich machen, aber seelisch und gesitig schon. Dies ist ein Reichtum, der mir in Frankfurt fehlt.

Also stellte ich mir die Frage woher das kommen kann. Ich denke einer der Gründe ist die besondere Position, die Berlin im zweigeteilten Deutschland hatte. Ich bin 75 Jahrgang und bin in Berlin auf eine staatliche Schule gegangen. Unsere Lehrer waren alle jung. In Frankfurt höre ich, sie waren alt. Unsere Lehrer kamen nach Berlin, weil sie nicht zum Bund wollten, weil sie andere Vorstellungen hatten vom Leben, Traditionen in Frage gestellt haben. Das haben sie uns vermittelt. Wir sind schon in der Schule zum Denken erzogen worden und eben nicht zur soldatischen Hörigkeit wie oftmals in Westdeutschland. Und ich bin dankbar dafür. Es ist definitiv so wie ein Sprichwort sagt: Wer gegen den Strom schwimmt, muss viel schlucken können“, aber blind etwas folgen? Nein, das mag ich nicht.

Meine Tochter kommt bald in die Schule, so wie es aussieht in Frankfurt. Aber ich wollte doch Berlin für sie, weil es soviel reicher ist in dieser Hinsicht, weil man sechs Jahre zur Grundschule geht und mehr Zeit hat eine gute und richtige Entscheidung zu treffen. Aus vielerlei Gründen wird es wahrscheinlich Frankfurt. Das tut mir weh. Dann passiert privat gerade soviel, dass mein Berlin nicht mehr mein Berlin ist. Es ändert sich so vieles, dass ich im Moment nicht fahren mag, weil ich dort verloren bin.

Und was jetzt? Frankfurt als meine Stadt annehmen? Aber sie ist es nicht. Eine Freundin hat mal zu mir gesagt, sie hat Angst, dass ich wie unsere Eltern werde, die sich ewig nach ihrem Land gesehnt haben und somit nie angekommen sind. Das möchte ich auch nicht.

Vielleicht sollte ich es so betrachten, nichts ist in Stein gemeisselt und kann sich noch ändern, auch meine Einstellung.

 

P.S. Es ist keine Reisetext, ausser vielleicht Fragmente meiner inneren Reise. Aber hey, mein Blog, meine Spielwiese.

Ein Gedanke zu „Irgendwo und doch nirgendwo

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