Tagebuch

Seit eienr Weile denke ich, dass es sich anfühlt als hätte ich verschiedene Leben gelebt, einmal als Jugendliche, dann als Single in Berlin und als Mama in Frankfurt. Da fielen mir meine Tagebücher ein, die ich schon seit langem mal wieder lesen wollte, begonnen habe ich am 24.1.1988. Letzten Sonntag war es soweit und ich habe gelesen, und bin aktuell bis 1990 gekommen. Ich habe damals nicht täglich geschrieben, aber dennoch geht es bis 1997, und ich freue mich auf den Rest.

Es sind 11 Hefte, die als Beitragsbild abgebildet sind und da musste ich schon sehr lachen. Die Umschläge sind wahrscheinlich aus der Zeitschriften, die ich damals gelesen habe, Mädchen, Girl (keine Werbung, trotz Nennung. Ich weiß nicht mal ob die Zeitschriften nocht existieren). Der Pubertätseinfluß mit den damaligen Interessen ist auf jeden Fall erkennbar :-).

Historisches 🙂

Ich begann also mit etwas über 12 Jahren zu schreiben und wohnte damals in West-Berlin. Es war die Zeit vor der Wiedervereinigung, somit sind auch historische Ereignisse in diese Zeit gefallen, z.B. der Mauerfall

Ich war hier wohl eher etwas wortkarg und eher nicht historisch interessiert 🙂 Denn in meiner Erinnerung weiss ich noch sehr gut, dass es eine sauspannende Zeit war, dass Berlin so voll war, dass wir zur Schule laufen mussten statt U-Bahn zu fahren, denn diese waren komplett voll. Ich erinnere mich an die Schlangen vor den Banken für das Begrüßungsgeld und daran, dass ein Supermarkt in Rudow (war damals Grenze) tagsüber schließen musste um die Regale aufzufüllen. Sie kamen einfach nicht hinterher. Es war eine tolle Zeit mit besonderer Atmosphäre in der Stadt.

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Die zerissene Generation

Wer?

Heute habe einen Artikel der Deutschen Welle zu jugoslawischen Gastarbeitern gelesen. Der Artikel hat mich sehr angesprochen. Das Thema Gastarbeiter zieht sich ja durch mein Leben. Ich bin die 2. Generation, also in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber in diesem Artikel geht es um die Eltern. Meine Eltern kamen eigentlich, um wieder zu gehen. Und es waren viele wie sie, egal woher aus Europa sie kamen. Sie blieben unter sich, denn so fühlte man sich nicht so fremd. Und man würde ja eh bald wieder weg sein, da war der Spracherwerb nicht wirklich wichtig.

Es ist die Generation der Eltern, die in meinen Augen, die verlorene Generation ist. Sie scheint nie dort gewesen zu sein, wo sie wirklich sein wollte.

Es fängt eben damit an, dass beide Seiten den Aufenthalt der Gastarbeiter anders geplant hatten. Das Wort Gast in Gastarbeiter war kein Zufall, man ist wo für kurze Zeit und geht dann wieder nach Hause.

Doch wie wir wissen kam alles anders.

Der Anfang

Diese Generation kam nach Deutschland ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Ich vermute sogar stark, dass viele nicht wirklich wussten wo denn dieses Deutschland genau liegt. Sie waren so unglaublich jung, teilweise kamen sie mit 16 Jahren in dieses, ihnen fremde, Land. Ich weiß, dass jeder und jeden von ihnen einen sehr guten Grund hatte zu kommen, die Heimat zu verlassen, dennoch ist es unglaublich mutig was sie da getan haben! Viele kamen vom Land und in ihrer Heimat hatten sie wenig. Es gab kein Google Maps, kein Navi, nichts. Es gab kein Skype/Facetime und selbst das Telefon war in den Heimatländern nicht überall verbreitet. Wie muss es gewesen sein nicht ständig in Kontakt treten zu können mit der Familie? Wie war war es für die Familie nicht zu wissen wo das Kind ist?

Diese Generation kam nach Deutschland und hier gab es soviel von allem und an allem, so viel Konsummöglichkeiten. Meine Mutter kam wirklich vom Dorf und kam dann nach Berlin. Am Anfang hat sie am Ku’damm gewohnt und im KadeWe die Brötchen gekauft. Die Größe der Stadt, was es dort alles gab, das alles muss für sie einfach nur unglaublich gewesen sein. Weiterlesen

Irgendwo und doch nirgendwo

Die Kategorie Muddastadt habe ich erstellt, weil es um meine Stadt Berlin gehen soll. Ich habe Berlin vom 1. Moment an vermisst als ich ging. Frankfurt war ein mieser Ersatz für Berlin. Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist es immer noch ein mieser Ersatz?

Meine Eltern sind als Gastarbeiter gekommen. Sie waren nie wirklich zu Hause in diesem Land. Aber ich war in Berlin zu Hause. Die Stadt, die nicht gefordert hat sich zu einer Nationalität zu bekennen, sondern einfach Berlinerin zu sein, d.h. ich konnte all das sein, was ich auch bin, weder Deutsch noch Kroatisch zu 100%, sondern irgendwie alles ein bisschen.

Ich liebe an Berlin die Freiheit des Denkens, Lebens und Fühlens. Seit ich in Frankfurt bin, denke ich viel an die Unterschiede. Frankfurt hat mehr Geld. die Menschen dort sind wirtschaftlich erfolgreicher. Weiterlesen